STREAM OF UNCONSCIOUSNESS2020-12-11T15:13:37+01:00

Project Description

Stream of Unconsciousness

zusammen mit Silvana Savini

Der Strom besteht aus mehr als 50 Stopmotion-Filmen die seit 2007 entstanden sind.

Wir arbeiten zur Zeit an einem Update der interaktiven App.

Alternativ steht ein  Screenrecording (nicht-interaktive “Konserve”) zur Verfügung:

>> vimeo.com/251047869

Weshalb sollten hauchdünne Kartoffel-, Gurken- und Apfelscheiben nicht auch mal Walzer tanzen zu Johann Strauss?

> weiter im Text von Seraina von Laer

Seit 2007 erarbeiten Silvana Savini und Andreas Weber gemeinsam Kurzfilme in Stop-Motion-Technik. „Uns hat das expressive Potenzial bei gleichzeitiger Ökonomie der Mittel sofort begeistert.“ Die Spieldauer beträgt in der Regel nicht mehr als eine Minute. Objekte werden animiert, indem sie für jedes einzelne Bild des Filmes immer geringfügig verändert werden. Damit wird eine Illusion von Bewegung erzeugt, Informationen werden verdichtet, überraschende Formen und Inhalte kreiert. Und darum geht es den Künstlern: „In unseren Arbeiten hoffen wir eine unkonventionelle, ganz aus dem Gegenstand geschöpfte Filmsprache zu finden, in der Form und Inhalt zu einem präzisen, reduzierten Ganzen verschmelzen.“

Sie arbeiten mit unterschiedlichen Materialien, mit Papier, Holz, Faden, Karton und Zeichnungstechniken. Neben wenigen anderen Akteuren treten auch Savini und Weber selber in ihren Filmen auf und prägen diese mit ihrer so unterschiedlichen Art, mit Lust am Schau-Spiel, mit Selbstironie und trockenem Humor. Die Filme sind keine klassischen Animations- oder Trickfilme, sie verweigern sich dem Storytelling, sind eher Poesie als Erzählung. Das bedeutet in ihrem Fall, dass meist die formale Setzung und und die Erkundung von medienspezifischen Möglichkeiten den kreativen Prozess in Gang bringt: „Das visuelle Rohmaterial sucht sich ein Thema, der Schnitt und die sorgfältig komponierte Tonspur formulieren es aus.“

Die Thematik, der Sinn oder auch mal der eklatante Unsinn, der sich aus diesem prozesshaften Vorgehen ergibt, reicht von Alltagserfahrungen bis zu Weltbewegendem, von Trivialem bis zu Existentiellem. Mal sind die Filme komisch mal traurig, dann wieder banal oder besinnlich. Und immer wieder diese Heiterkeit: „Ein Leben ohne Humor ist denkbar aber sinnlos.”

Eine Anzahl an Filmen verkörpert besonders den formalästhetischen Ansatz. So vielleicht „Soleá“, wo Tomaten wie Billardkugeln miteinander kollidieren oder „The chinese towel“, wo ein Erfrischungstuch beharrlich Flamenco tanzt. Interessant ist bei beiden Arbeiten die Tonspur, die das Rohmaterial auf den Punkt bringt, rhythmisiert und das Spiel mit der assoziativen Wahrnehmung ankurbelt. In „Soleà“ bspw. werden Tomaten zu vermeintlichen Billardkugeln nicht zuletzt des Klanges wegen, den der Zusammenstoss zweier Tomaten verursacht. Sehe ich also, was ich höre oder täuscht der Klang meine visuelle Wahrnehmung? Das Vermeiden von Seh- oder Ausdruckskonventionen ist eine der Urmotivationen des künstlerischen Schaffens von Savini und Weber.

Dann wiederum gibt es Filme, bei denen das Wechselspiel zwischen Form und Inhalt stärker in den in den Vordergrund tritt, wie beispielsweise in den beiden sehr ernsten Arbeiten „I will phone, Mama“, wo Afrikaner in ein Boot steigen, um ein besseres Leben zu suchen oder in „Black Light“, wo ein Mann dem Tod unweigerlich ins Gesicht sieht.

Die Filme können also durchaus narrativen Charakter haben, müssen es aber nicht und sind nicht darauf angelegt. Viel mehr geht es den Künstlern darum, eigene auditive, dramaturgische Spielregeln zu entwickeln, mit minimalistischen Mitteln ein eigenes Idiom zu kreieren, im Prozess überrascht zu werden und mit dem Resultat zu überraschen: „Wir träumen von kleinen, trickreichen audiovisuellen Maschinchen, die überraschen und Staunen machen und mit den Mitteln der Poesie (ohne Sentimentalität) und Magie (mit einem Augenzwinkern) eine Erkenntnis aufblitzen lassen.“

Die Filme von Savini und Weber sind nicht didaktisch, sie sind nicht eindeutig; sie öffnen Assoziationsräume, die formale, aber auch inhaltliche Rezeptionen zulassen: „Stilistische Offenheit, thematische Breite und atmosphärische Vielfalt ist für unsere Form von Wahrheitsfindung unerlässlich (aber Gift fürs Branding)“.

Text: Seraina von Laer

Special Thanks: Tobi Hobi für seine Inspiration, seinen Enthusiamus und die unermüdliche Ermunterung